Warum Windenergieanlagen in Waldgebieten?
Publiziert: April 2026
Der Bau von Windenergieanlagen im Wald unterliegt strengen Auflagen, darunter Ersatzmassnahmen für gerodete Flächen, die Einhaltung von Lärmschutzverordnungen, Vogelschutzmassnahmen und eine umweltverträgliche Planung, die oft eine standortoptimierte Erschliessung erfordert.
Nach dem Schweizer Waldgesetz gilt das Prinzip der Flächenerhaltung: Wird Wald gerodet (dauerhafte oder temporäre Beseitigung der Waldvegetation), muss dieser mindestens flächengleich wieder aufgeforstet werden. Dies geschieht primär direkt am Ort der Rodung (temporäre Rodung) oder, falls dies nicht möglich ist, durch eine Ersatzaufforstung in der näheren Umgebung. Es kommt also nicht zu einem Verlust am Baumbestand durch den Bau von Windenergieanlagen im Wald.
Um einen Windpark zu bauen, wird zwingend vorausgesetzt, dass der Standort im kantonalen Richtplan eingetragen ist. Das bedeutet, dass der Kanton bereits eine Interessenabwägung, insbesondere unter Einbezug von Natur und Biodiversität, vorgenommen hat. Windenergie im Wald ist entsprechend nur möglich, wenn ein Eignungsgebiet des Richtplans auch Waldflächen umfasst (ausserhalb der Eignungsgebieten im Richtplan ist die Nutzung der Windenergie strikt ausgeschlossen).
In der Schweiz wurden bisher noch keine Windparks in Wäldern gebaut. Vieles spricht aber auch hierzulande dafür, forstwirtschaftlich intensiv genutzte Waldflächen für die Windenergie zu öffnen: Einerseits sind diese Wälder durch Strassen meist gut erschlossen und die Distanz zu Wohngebieten ist grösser. Andererseits ist bei intensiv genutzten Waldformen die Artenvielfalt in der Regel gering.
Es geht also nicht darum, Windenergieanlagen in Waldreservaten aufzustellen, sondern in Wäldern, die zur Holzproduktion genutzt werden, in denen es Zugangswege gibt und regelmässig bewirtschaftet werden. Dies sind Gebiete, in denen der Mensch bereits einen starken Einfluss hat und in denen die Errichtung einer Windkraftanlage nur eine marginale Rolle für die aktuelle Waldnutzung spielen wird. Mit der Nutzung von Windenergie bleiben die wesentlichen forstlichen Funktionen erhalten: Waldökologie, Forstwirtschaft, Erholungsfunktion und Jagdbetrieb.
Mehr Biodiversität
Eine Untersuchung im Windpark Verenafohren bei Wiechs am Randen nahe der Grenze zu Schaffhausen hat gezeigt, dass die durch die Rodung entstandenen Lichtungen die Biodiversität erhöht hat. Die regionale Sektion des deutschen Verbands für Natur- und Umweltschutz BUND hat das Windenergieprojekt von Beginn an begleitet und zieht bezüglich der Artenvielfalt im Bereich der Rodungsflächen eine positive Bilanz: 35 Blumen- und Gräserarten, die teils selten vorkommen, besiedeln den jetzt lichteren Waldrand an den Standorten der Windkraftanlagen sowie an der Zuwegung.
Flächenbilanz
Gemäss einer Erhebung der Fachagentur Windenergie an Land aus dem Jahr 2024 beansprucht eine Windenergieanlage an einem Waldstandort in Deutschland durchschnittlich jeweils eine Fläche von rund einem Hektar (zum Vergleich beträgt die Grösse eines Fußballfeldes etwa 0,7 Hektar). Knapp die Hälfte davon, nämlich rund 0,5 Hektar, wird demnach nur für die Arbeits- und Montagetätigkeiten während der Bauphase gerodet und anschliessend wieder aufgeforstet.
Auch der verbleibende Flächenanteil muss langfristig in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden: Zwar bleiben über die gesamte Betriebsdauer einer Windenergieanlage durchschnittlich rund 0,5 Hektar Waldfläche frei von Bäumen – etwa für das bis zu rund 30 Meter durchmessende Fundament aus Stahl und Beton, für Stellflächen für Kräne für Wartungen oder Reparaturen sowie gegebenenfalls für Zufahrtswege. Die Flächenversiegelung beschränkt sich in der Regel auf das Fundament der Anlage plus etwaige Transformatoren.
Bei der Wiederbewaldung werden klimaresiliente Baumarten ausgewählt, die beispielsweise besonders trockenresistent sind und somit möglichst den Standortbedingungen entsprechen können. Die Nutzung der Windenergie ist also ein Hebel, um naturnahe, klimaresistente Wälder mit überwiegend standortheimischen Baumarten zu schaffen. Der Bau der Anlagen wird durch die Aufforstung mit klimaresistenten Bäumen in mindestens demselben Masse kompensiert, wie zuvor Holz eingeschlagen wurde. So bleiben die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen des Waldes generationenübergreifend erhalten.
Tiere
Im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz gibt es viele Windenergieanlagen im Wald. Die Erfahrungen dort zeigen, dass sich Rehe, Hasen, Füchse und Rebhühner rasch an die sich drehenden Flügel gewöhnen. Eine Windenergieanlage ist für sie eine kalkulierbare Störquelle. Eine Beeinträchtigung für Wildtiere entsteht allerdings während der Bauzeit durch Lärm, Fahrzeuge und menschliche Präsenz. In dieser Phase ziehen sich die Tiere oft vorübergehend aus dem betroffenen Gebiet zurück.
Windpark Verenafohren bei Wiechs am Randen nach der Fertigstellung: Im Vordergrund Anlage 3, Anlage 1 links davon und Anlage 2 rechts im Bild. Bild: DesignConnection GmbH
Hier ein Beispiel einer erfolgreichen Ersatzmassnahme: Die Kahlrückige Waldameise, auch kleine rote Waldameise genannt, ist im Bereich des Windparks Verenafohren oberhalb von Merishausen gleich mit mehreren grossen Behausungen vertreten. Um sie nicht zu gefährden, wurden sie während der Erstellung des Windparks im Jahre 2016 umgesiedelt. Die Kahlrückige Waldameise und ihre Nester sind in Deutschland besonders geschützt. Bild: Reto Hunziker
Wald unter Druck
Der Schweizer Wald steht laut Waldbericht 2025 unter erheblichem Anpassungsdruck, verursacht durch den Klimawandel, Trockenheit, Stürme und Schädlinge, so dass sein Gesamtzustand heute als geschwächt gilt. Regional, etwa im Jura, wird er sogar als «kritisch» eingestuft. Besonders Fichte und Buche leiden unter den veränderten Bedingungen. Damit der Wald seine Funktionen für Mensch und Umwelt künftig erfüllen kann, muss er an den Klimawandel angepasst werden.
In den anderen europäischen Ländern sieht es nicht besser aus: Waldbrände, Insektenbefall und Sturmschäden setzen den europäischen Wäldern zu.
Mit dem fortschreitenden Klimawandel hat sich die Gefährdung des Waldes verschärft. Der Windenergie kommt eine Schlüsselrolle zu, um fossile Energien zu ersetzen und dadurch den CO2-Ausstoss zu reduzieren. Denn Windenergie ist Klimaschutz. Auch wenn es auf den ersten Blick paradox zu sein scheint, Bäume zum Schutz des Klimas zu fällen.
Rodungen
Gemäss Rodungsstatistik wurden zwischen 2013 und 2022 jährlich durchschnittlich 166 Hektaren Wald gerodet (BAFU Indikator Wald und Holz). Bei 10 Windenergieanlagen im Wald müssten rund 5 Hektaren «dauerhaft» gerodet und frei von Bäumen gehalten werden. Dies entspricht 3 % der jährlich gerodeten Fläche.