Stromproduktion aus Erneuerbaren: Ist die Schweiz auf Zielpfad?

März 2026

Im Jahr 2025 hat der Bundesrat erstmals konkrete Zwischenziele für Photovoltaik und Windenergie für das Jahr 2030 beschlossen. Wie sieht es aus mit der Zielerreichung? Wie hat sich die Stromproduktion in den letzten Jahren entwickelt?

2025: Weniger Wasserkraft, weniger Kernenergie, weniger Wind – aber mehr Last

Nachdem die Last von 2015 bis 2024 annähernd konstant geblieben ist, ist diese im letzten Jahr gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen. Die Gründe für diesen Anstieg sind zurzeit (März 2026) unklar.

Entwicklung der Last in der Schweiz von 2015 bis 2025. Quelle: Energy-Charts

Die Stromproduktion aus Kernenergie war letztes Jahr auf den tiefsten Stand seit 2015 gefallen. Dies ist dem längeren Ausfall des Kernkraftwerks Gösgen infolge von Reparaturarbeiten geschuldet.

Entwicklung der Stromproduktion aus Kernenergie in der Schweiz von 2015 bis 2025. Quelle: Energy-Charts

Doch es kommt noch dicker. Auch die Stromproduktion aus Wasserkraft weist im letzten Jahr den tiefsten Stand seit 2015 auf. Der Winter 2024/2025 war arm an Niederschlägen. Dies hatte grosse Auswirkungen auf die Produktion der Speicherwasserkraftwerke. Die Stromproduktion aus Wasserkraft betrug im Jahr 2024 48,3 TWh, im Jahr 2025 waren es noch 32,6 TWh – 15,7 TWh weniger. Zur Einordnung: Die Produktion des grössten Kernkraftwerks in der Schweiz, nämlich Leibstadt, betrug im Jahr 2024 9,6 TWh.

Entwicklung der Stromproduktion aus Wasserkraft in der Schweiz von 2015 bis 2025. Quelle: Energy-Charts

Auffallend (und beunruhigend) ist, dass ab 2022 die jährlichen Abweichungen vom Durchschnitt stark zugenommen haben.

Von Kritiker/-innen der Energiewende wird immer wieder betont, dass die Stromproduktion aus Wind und Sonne grossen Schwankungen unterliege und deshalb unzuverlässig sei. Gerne wird übersehen, dass auch die Nutzung der Wasserkraft grossen Schwankungen unterworfen ist. Die Klimaerwärmung verschärft das Problem und macht die Versorgungssicherheit schwer planbar.

Erfreulicherweise konnte die Stromproduktion aus Wind und Solar von 2024 auf 2025 zulegen.

Entwicklung der Stromproduktion aus Wind und Solar in der Schweiz von 2015 bis 2025. Quelle: Energy-Charts

Die obige Grafik zeigt, wie gering der Anteil der Windenergie ist, auch im Vergleich mit der Photovoltaik.

Auch die Stromproduktion aus Windenergie war im letzten Jahr unterdurchschnittlich. Da die Windenergie in den letzten Jahren moderat ausgebaut wurde, macht die Darstellung der gesamten Windenergieproduktion von 2015 bis 2025 wenig Sinn. Deshalb sind in der nachfolgenden Grafik die Werte des Windparks Mont-Crosin, des grössten Windparks in der Schweiz, von 2017 bis 2025 dargestellt.

Entwicklung der Stromproduktion Windpark Mont-Crosin von 2017 bis 2025. Quelle: Windenergie-Daten der Schweiz. Eigene Grafik

Aus obiger Grafik geht hervor, dass die Jahreserträge zwischen 67 und 91 GWh schwanken. Der Mittelwert liegt bei 79 GWh, die Abweichung beträgt also etwa plus minus 15 %.


Last: Die Last ist die elektrische Leistung, die von Stromverbrauchern aufgenommen wird. Der Hauptunterschied zwischen «Last» und «Endenergieverbrauch» besteht darin, dass die Last den gesamten Stromverbrauch inklusive Netzverluste darstellt, während der Endenergieverbrauch sich auf die Energie bezieht, die von den Endverbrauchern tatsächlich genutzt wird.

2025: Noch weit von den Zielen entfernt

Die Zwischenziele für das Jahr 2030 lauten wie folgt:

  • Stromproduktion aus neuen erneuerbaren Energien (ohne Wasserkraft): 23 TWh
  • Stromproduktion aus Photovoltaikanlagen: 18,7 TWh
  • Stromproduktion aus Windenergieanlagen: 2,3 TWh

Zielerreichungsgrad für Solar und Wind im Jahr 2025. Die Zwischenziele beziehen sich auf das Jahr 2030. Quelle: Energy-Charts. Eigene Grafik

Der Zielerreichungsgrad beträgt bei der Photovoltaik 44 %, bei der Windenergie 9 %.

Das Ziel bei der Photovoltaik erscheint zumindest machbar. Dies bedingt aber, dass die positive Entwicklung der letzten Jahre nicht politisch ausgebremst wird. Bei der Windenergie sieht es hingegen düster aus. Projekte wären vorhanden, die Windbranche könnte diese auch umsetzen. Doch nach wie vor dauert die Umsetzung zu lange und stösst auf viele Hindernisse.

Vergleich mit Litauen

Litauen hat in den letzten Jahren die Windenergienutzung deutlich ausgebaut. Nachfolgend ein Vergleich mit der Schweiz.

Entwicklung der Stromproduktion aus Wind und Solar in Litauen von 2010 bis 2025. Quelle: Ember

Entwicklung der Stromproduktion aus Wind und Solar in der Schweiz von 2010 bis 2025. Quelle: Ember

Litauen erzeugte im Jahr 2025 4 TWh Strom aus Windenergie. Im Jahr 2010 waren es erst rund 0,2 TWh. Das heisst: Litauen hat seit 2010 die Produktion um den Faktor 20 ausgebaut. Und die Schweiz? In dieser Zeitspanne hat die Schweiz die Windenergie nur um den Faktor 4 ausgebaut. Litauen produziert heute schon deutlich mehr Strom aus Windkraft als die Schweiz sich für das Jahr 2030 zum Ziel gesetzt hat. Woran liegt das?

Litauen hat eine Landesfläche von rund 65‘000 km2 und eine Einwohnerzahl von 2,8 Mio. (Schweiz: 41‘000 km2 und 9,1 Mio.).

Zwei Windenergieanlagen in Litauen. Übrigens: Auch in Litauen gibt es schöne Landschaften.