Wenn nicht Wind – was dann?

Aktualisiert: Januar 2026

Auf dieser Seite gehen wir der Frage nach, ob und welche Alternativen es zu einem Ausbau der Windenergie gibt.

Das Stromgesetz

Das Stromgesetz, das im Juni 2024 mit einem Ja-Anteil von 69 % angenommen wurde, sieht vor, die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien deutlich auszubauen. Bis im Jahr 2035 um 35 TWh und bis im Jahr 2050 um 45 TWh. Im Fokus steht der Ausbau der Solarenergie auf Gebäuden und Infrastrukturen sowie die Stärkung der Versorgungssicherheit im Winter. So soll die Winterstromproduktion bis 2040 um mindestens 6 TWh ausgebaut werden und der Winterstromverbrauch um 2 TWh bis 2035 reduziert werden. Das Stromgesetz lässt offen, mit welchen Massnahmen die Ziele erreicht werden sollen.

Im Jahr 2024 betrug die Produktion aus erneuerbaren Energien rund 44 TWh. Bis 2035 müssten es also rund 80 TWh und bis 2050 rund 90 TWh sein.

Die Grafik «Landesverbrauch und Produktion Erneuerbare 2050» zeigt, dass Verbrauch und Produktion nicht übereinstimmen. «Zu viel» im Sommer, «zu wenig» im Winter. Was ist zu tun?

Landesverbrauch und erneuerbare Stromproduktion im Jahr 2050 gemäss dem Stromgesetz und den Energieperspektiven 2050+ des BFE (Szenario «ZERO Basis»). Angaben in TWh. Eigene Grafik

Gemäss den Energieperspektiven 2050+ des BFE, Szenario «ZERO Basis», wird der Landesverbrauch im Jahr 2050 76 TWh betragen.

Alternativen zu einem Windenergie-Ausbau?

Mit der Energie sparsam umgehen

Dies beinhaltet folgendes:

Technologiewechsel: Eine Wärmepumpe braucht drei bis viermal weniger Strom als eine Elektroheizung, ein Wärmepumpenboiler dreimal weniger als ein Elektroboiler.

Energieeffizienz: Werden Geräte, Apparate und Anlagen ersetzt, weisen diese meistens einen tieferen Stromverbrauch aus. Bei bestehenden Anlagen sind mit Optimierungen Einsparungen möglich, z.B. in der Gebäudetechnik und in der Industrie. Demgegenüber steht der Rebound-Effekt: Warum das Licht ausschalten, wenn die Lampe nur noch wenig Strom benötigt? Dazu kommt: Die «Long Hanging Fruits» sind häufig schon umgesetzt. Es wird also anspruchsvoller, mit neuen Massnahmen gleich grosse Einsparungen zu erzielen.

Betrieb ohne Nutzen (Beispiele): In einem leeren Büro brennt immer noch das Licht. In einem leeren Konferenzraum läuft die Lüftung auf der höchsten Stufe. Die alte Stereoanlage ist im Standby-Modus und braucht unnötig Strom.

Suffizienz (Beispiele): In eine kleinere Wohnung ziehen, wenn die Kinder ausgezogen sind. Die Raumtemperatur reduzieren. Ein Buch lesen, anstatt KI-Katzenvideos zu produzieren.

Im prognostizierten Landesverbrauch von 91 TWh sind bereits Effizienzmassnahmen enthalten. Ohne diese Effizienzmassnahmen wäre gemäss dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) der Verbrauch 7 TWh höher. Siehe Update der VSE-Studie «Energiezukunft 2050», Szenario «Stromgesetz ohne Effizienzmassnahmen». Es gibt unterschiedliche Ansichten, wie hoch das zusätzliche Einsparpotential wäre. Klar ist aber auch: Mit griffigeren Massnahmen liesse sich der erwartete Verbrauchszuwachs dämpfen. Falsch wäre jedoch, den Ausbau der Produktion von Strom aus erneuerbaren Quellen gegen Effizienzmassnahmen auszuspielen. Denn es braucht beides!

Mehr Wasserkraft

Anhang 2 des Stromversorgungsgesetzes betrifft den Zubau von 16 Wasserkraftprojekten zur Stärkung der Versorgungssicherheit im Winter. Die aufgeführten Projekte gehen auf den «Runden Tisch Wasserkraft» aus dem Jahr 2021 zurück. Die Teilnehmenden, darunter auch die grossen Umweltverbände WWF und Pro Natura, gewichteten 33 Speicherwasserkraftprojekte und verständigten sich dann auf eine Liste mit 15 Projekten, welche energetisch am meistversprechenden sind und gleichzeitig mit möglichst geringen Auswirkungen auf die Biodiversität und Landschaft umgesetzt werden können. Ihre Realisierung würde eine saisonale Speicherproduktion im Umfang von 2 TWh bis ins Jahr 2040 ermöglichen.

Doch bei der zukünftigen Wasserkraftnutzung gibt es noch eine weitere gewichtige Unsicherheit, dies aufgrund der grossen jährlichen Schwankungen bei der Produktion. Siehe dazu die folgende Grafik.

Abhängigkeit der erneuerbaren Stromproduktion von der Witterung. Eigene Grafik

Die Grafik ist folgendermassen zu lesen. Bei den vier Stromproduktionsarten Laufwasser, Speicherwasser, Wind und Solar ist das Jahr 2020 die Ausgangsbasis. Alle haben den Wert 100 %. Datenquellen: Laufwasser und Speicherwasser: Schweizerische Elektrizitätsstatistik; Wind: Windpark Verenafohren; Solar: Schweizerische Statistik der erneuerbaren Energien.

Die obige Grafik zeigt folgendes:

  • Die Produktion der Laufwasserkraftwerke schwankt in den Jahren 2020 bis 2024 zwischen 88 und 110 %
  • Die Produktion der Speicherwasserkraftwerke schwankt zwischen 67 und 130 %
  • Die Produktion aus Windenergie schwankt zwischen 94 und 122 %
  • Die Produktion aus Photovoltaik schwankt zwischen 83 und 100 %

Da die Nutzung der Wasserkraft die tragende Säule der Schweizer Stromversorgung bildet, ist die grosse Schwankung bei der Produktion der Speicherwasserkraftwerke von hoher Bedeutung – und hoher Brisanz. In Zahlen ausgedrückt: Im Jahr 2022 betrug die Produktion 12,4 TWh, im Jahr 2024 fast das Doppelte, nämlich 24,1 TWh. Das ist eine Differenz von 11,7 TWh. Zum Vergleich: Die Produktion des grössten Kernkraftwerks in der Schweiz, nämlich Leibstadt, betrug im Jahr 2024 9,6 TWh.

Es heisst ja oft, der Nachteil der Nutzung von Sonne und Wind zur Stromproduktion sei die fluktuierende (unbeständige) Produktion. Doch dieses Problem stellt sich auch bei der Wasserkraftnutzung. Schneearme Winter und regenreiche Sommer haben einen sehr grossen Einfluss auf die Stromproduktion.

 

Mehr Photovoltaik im Winter

Wie bereits auf Seite Windenergie: Ein unverzichtbares Puzzleteil thematisiert, sind die meisten bisher installierten Solarstromanlagen so aufgestellt worden, dass der Jahresertrag möglichst hoch ist. Dies ist bei einer Dachneigung bzw. einem Aufstellwinkel zwischen 30 und 45 Grad und einer Ausrichtung nach Süden der Fall. Gemäss Berechnung mit dem Solarrechner-Tool sinkt bei einem Aufstellwinkel von 80 Grad wohl der Jahresertrag um rund 20 %, doch der Ertrag im Winterhalbjahr steigt auf 42 % des Jahresertrags und im meteorologischen Winter auf 18 %. Es macht also Sinn, Solarstromanlagen zukünftig so zu planen, dass der Winterstromertrag möglichst hoch ist. Zudem unterstützt der Bund Anlagen mit mindestens 75 Grad Neigung im Rahmen der Solarstromförderung mit einem Neigungswinkelbonus.

Alpine PV-Freiflächenanlagen können, bei optimaler Ausrichtung, im Winterhalbjahr sogar gleich viel Strom produzieren wie im Sommerhalbjahr. Der Stromertrag einer alpinen PV-Freiflächenanlage im Winterhalbjahr ist wohl deutlich höher als bei einer Anlage im Mittelland – aber auch die Investitionskosten. Der Bund peilte mit dem «Solarexpress» an, mit grossen alpinen PV-Freiflächenanlagen jährlich 2 TWh Strom zu erzeugen. Es zeichnet sich ab, dass dieses Ziel nicht erreicht werden wird. Hinweis: Ein Vergleich zwischen Windkraftanlagen und alpinen PV-Freiflächenanlagen wird in einem späteren Beitrag behandelt. 

Strom vom Sommer in den Winter speichern (saisonale Speicherung)

Mit einem Speicherkraftwerk kann man Strom über längere Zeit speichern, indem das Wasser nicht bei Stromüberschüssen im Sommer, sondern erst im Winter bei einer Stromknappheit zur Stromerzeugung genutzt wird. Das wird bereits heute so gemacht. Eine vielversprechende Technologie ist Power-to-Gas, d.h., überschüssigem erneuerbaren Strom aus Wind und Sonne durch Elektrolyse in chemische Energie umzuwandeln. Primär in Wasserstoff, der dann entweder direkt genutzt oder durch Zugabe von CO₂ in synthetisches Methan umgewandelt wird. Das Gas kann dann zu einem späteren Zeitpunkt durch Verbrennung oder durch elektrochemische Reaktionen in Brennstoffzellen in Strom umgewandelt werden. Doch eine schlechter Gesamtwirkungsgrad und hohe Kosten dämpfen die Euphorie etwas.

Nicht geeignet für eine Langzeitspeicherung sind hingegen Batteriespeicher, denn diese dienen der kurzzeitigen Speicherung von Strom, meistens vom Mittag in den Abend.

 

Mehr Strom aus Biomasse

Die Verstromung von Biomasse (Biogas, Holz) hat tatsächlich noch Ausbaupotential. Doch Biomasse kann nur einen begrenzten Beitrag leisten.

 

Mehr Import, neue Gaskraftwerke, neue Kernkraftwerke?

Die Schweiz wird auch zukünftig auf Importe im Winter angewiesen sein. Das Ziel muss aber sein, die Stromzukunft so zu gestalten, dass wir weder auf Gaskraftwerke, die mit Erdgas betrieben werden, noch auf neue Kernkraftwerke angewiesen sein werden. Um ein paar Reservekraftwerke werden wir wahrscheinlich nicht herumkommen, obwohl diese unwirtschaftlich sind.

 

Mehr Wind

Wird hingegen die Windenergie ausgebaut, kann der Winterstromanteil markant erhöht werden.

Landesverbrauch und erneuerbare Stromproduktion im Jahr 2050 gemäss dem Stromgesetz, den Energieperspektiven 2050+ des BFE (Szenario «ZERO Basis»), einer Erhöhung der Produktion aus Windenergieanlagen von 4,3 auf 13 TWh, einer Reduktion des Landesverbrauchs um 6 TWh und mehr Winterstromproduktion aus Photovoltaikanlagen. Eigene Grafik

Der Stromimport in der kalten Jahreszeit von November bis Februar würde weniger als 4 TWh betragen. Der Stromimport könnte mit einem Ausbau von Power-to-Gas und der nachgelagerten Verstromung weiter reduziert werden. Es ist anzunehmen, dass sich bis 2050 die Technik weiterentwickeln wird.

Um es klar zu sagen: Dieses Szenario ist sehr ambitioniert, was den Ausbau der Windenergie um weitere 8,7 TWh auf 13 TWh und die Reduktion des Landesverbrauchs um zusätzliche 6 TWh anbelangt. Die 13 TWh Windenergie basieren übrigens auf der Studie «Woher der Strom im Jahr 2050 kommt». Siehe auch Seite Windenergiepotenzial und Ausbauziele in der Schweiz.

 

Fazit

Wenn die Schweiz ihre Versorgungssicherheit und Souveränität behalten will, dann muss sie die inländische Energieproduktion im Winterhalbjahr ausbauen. Dabei ist die Windkraft eine der wenigen Technologien, die das auch wirklich leisten kann.