Wind und Sonne – das ideale Paar
Aktualisiert: Februar 2026
Aufgrund der unterschiedlichen Produktionsprofile ergänzen sich Wind- und Solarenergie optimal. Mehr dazu erfahren Sie auf dieser Seite.
Verbrauch und Produktion passen nicht zusammen
Die Schweiz produziert heute im Sommer deutlich mehr Elektrizität als sie verbraucht. Dies dank Laufwasserkraft und immer mehr Photovoltaik. Doch im Winterhalbjahr sieht es anders aus: weniger Sonne, kürzere Tage, höhere Nachfrage durch Wärmepumpen, Elektromobilität und Beleuchtung. In dieser Zeit importieren wir in der Schweiz traditionell grössere Mengen Strom aus dem Ausland – auch aus Atom-, Gas- und Kohlekraftwerken. Tendenz steigend.
Wenn die Nachbarländer aber selbst mit Engpässen im Winter kämpfen, wird die Schweiz verwundbar. Wer strategisch denkt, erkennt: Ein Land, das im Winter nicht genügend Strom produzieren kann, ist erpressbar. Und genau hier kommt die Windkraft ins Spiel.
Die Grafik «Landesverbrauch und Produktion Erneuerbare Istzustand» zeigt folgendes:
- Die Laufwasserkraftwerke produzieren bedeutend mehr Strom im Sommer als im Winter. Im Durchschnitt der Jahre 2022 bis 2024 produzierten diese im Juni 2,5-mal so viel wie im Februar. Speicherwasserkraftwerke produzieren im Januar am meisten und im April am wenigsten.
- In den Monaten Juni bis August kann die Schweiz ihren Strombedarf allein mit den Erneuerbaren decken. Von November bis Februar beträgt die Produktion aus erneuerbaren Quellen aber nur rund die Hälfte des Bedarfs.
- Im Sommerhalbjahr deckt Photovoltaik bereits einen beachtlichen Anteil des Strombedarfs.
Landesverbrauch und erneuerbare Produktion Istzustand (in TWh). Eigene Grafik
Bei Laufwasser und bei Speicherwasser wurde infolge der grossen Schwankungen von Jahr zu Jahr der Durschnitt der Jahre 2022 bis 2024 eingesetzt. Datenquelle: BFE-Publikationen
Windkraft als ideale Ergänzung zur Photovoltaik
An sonnenlosen Tagen mit starkem Wind und in Nächten ohne Sonne, aber mit Wind, kann die Photovoltaik offensichtlich nicht rund um die Uhr Strom liefern. Hier bietet die Windkraft eine ideale Ergänzung zur Photovoltaik, da sie gerade in den Wintermonaten, in denen zwei Drittel ihrer Produktion anfallen, eine perfekte Komplementarität zur Photovoltaik darstellt. Es geht nicht darum, das eine gegen das andere auszuspielen, sondern vielmehr darum, Technologien miteinander zu kombinieren.
Während die Sonne vor allem im Sommerhalbjahr Strom liefert, erreicht die Windkraft ihren Höhepunkt im Winter. Rund 45 % der Jahresproduktion von Windenergieanlagen fallen in den kritischen Monaten zwischen November und Februar an. In dieser Zeit tragen Solarstromanlagen nur 12 % an der Jahresproduktion bei. Bei Laufwasserkraftwerken sind es rund 25 %.
Die folgende Grafik zeigt, welcher Anteil der Jahresenergie in den Monaten November bis Februar produziert wird:
Anteil der Monate November bis Februar an der Jahresproduktion. Eigene Grafik
Gleichzeitig helfen Windenergieanlagen, teure Speicherinvestitionen zu reduzieren. Denn je besser die Erzeugung über das Jahr verteilt ist, desto weniger Energie muss gespeichert oder importiert werden. Das ist nicht nur eine technische, sondern vor allem eine strategische Überlegung – eine Frage der Souveränität und Systemstabilität.
Das optimale Verhältnis zwischen Wind- und Solarenergie
Doch, wie sieht ein optimales Verhältnis zwischen Wind- und Solarenergie aus?
Betrachten wir zuerst die Stromproduktion aus Wind und Solar in Deutschland im Jahr 2024. Das Minimum war im November, das Maximum im Januar. Dezember, Januar und Februar sind die kältesten Monate. Gerade in diesen drei Monaten erreichte die Produktion aus Windenergie ihren Höhepunkt.
Öffentliche Nettostromerzeugung in Deutschland im Jahr 2024, nur Solar und Wind. Quelle: Energy-Charts
Die Farben haben folgende Bedeutung: gelb = Solar, hellgrün = Wind Onshore, dunkelgrün = Wind Offshore.
Öffentliche Nettostromerzeugung: Die öffentliche Nettostromerzeugung ist die gesamte Strommenge, die von Kraftwerken erzeugt wird und tatsächlich ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird.
Zu beachten ist, dass bei der Windenergie wohl die Produktion von Jahr zu Jahr ähnlich hoch ist (ohne Berücksichtigung des Zubaus), dass aber die Produktion pro Monat starken Schwankungen unterworfen ist. So wurde im Februar 2025 deutlich weniger Strom produziert als im Februar 2024 (44 % weniger), dafür war der Oktober besonders windig (36 % mehr). Da die installierte Leistung von 2024 bis 2025 um 7 % zunahm, sind die Zahlen aber nicht eins zu eins vergleichbar.
Ende 2024 betrug die installierte Windleistung 72,8 GW, die Photovoltaik-Leistung 92,4 GW. Vereinfacht kann daraus der Schluss gezogen werden:
Wird Solar «zuungunsten» von Wind stärker ausgebaut, so steigt die Produktion hautsächlich im Sommer. Dabei liegt das Verbrauchsmaximum im Winter, insbesondere im meteorologischen Winter (Dezember bis Februar).
Betrachten wir nun die Situation in der Schweiz. Gemäss Zielsetzung des Bundes für das Jahr 2030 soll die Photovoltaik auf 18,7 TWh ausgebaut werden. Dieses Ziel ist durchaus erreichbar. Die Windenergie müsste aber auf rund 35 TWh ausgebaut werden. Dies wäre rund das 200-fache des Durchschnitts der Jahre 2022 bis 2024. Dieser Zubau ist völlig unrealistisch, selbst bis 2050 nicht. Berücksichtigt werden muss insofern, dass die Schweiz im Unterschied zu Deutschland viele Speicherwasserkraftwerke besitzt und so Strom indirekt vom Sommer in den Winter speichern kann.
Ein realistisches Szenario für die Schweiz
Die folgende Grafik zeigt ein Szenario, das realistischer ist. Es fusst auf der neuen Zielsetzung des Bundes für das Jahr 2030. Die Photovoltaik wird gemäss dieser Zielsetzung auf 18,7 TWh ausgebaut, die Windenergie auf 2,3 TWh. 2,3 TWh bedeutet mehr als 13-mal so viel wie im Jahr 2024. Es darf bezweifelt werden, ob dieses Ziel bis 2030 wirklich umsetzbar ist. Die anderen Werte beziehen sich entweder auf die BFE-Energieperspektiven 2050+, Szenario «ZERO Basis», für das Jahr 2030 oder auf aktuelle Werte.
Landesverbrauch und erneuerbare Produktion im Jahr 2030 (in TWh). Eigene Grafik
Die Grafik zeigt, dass der Landesverbrauch in der warmen Jahreszeit (Mai bis August) allein mit den erneuerbaren Energien gedeckt werden kann. Doch im Winterhalbjahr klafft eine grosse Lücke zwischen Verbrauch und Produktion. Der Beitrag der Windenergie ist zu bescheiden. Siehe dazu auch den Beitrag Wenn nicht Wind – was dann?