Wind und Sonne – das ideale Paar

Aktualisiert: Mai 2026

Aufgrund der unterschiedlichen Produktionsprofile ergänzen sich Wind- und Solarenergie optimal. Mehr dazu erfahren Sie auf dieser Seite.

Verbrauch und Produktion passen nicht zusammen

Die Schweiz produziert heute im Sommer deutlich mehr Elektrizität als sie verbraucht. Dies dank Laufwasserkraft und immer mehr Photovoltaik. Doch im Winterhalbjahr sieht es anders aus: weniger Sonne, kürzere Tage, höhere Nachfrage durch Wärmepumpen, Elektromobilität und Beleuchtung. In dieser Zeit importieren wir in der Schweiz traditionell grössere Mengen Strom aus dem Ausland – auch aus Atom-, Gas- und Kohlekraftwerken. Tendenz steigend. 

Wenn die Nachbarländer aber selbst mit Engpässen im Winter kämpfen, wird die Schweiz verwundbar. Wer strategisch denkt, erkennt: Ein Land, das im Winter nicht genügend Strom produzieren kann, ist erpressbar. Und genau hier kommt die Windkraft ins Spiel.

Die Grafik «Landesverbrauch und Produktion Erneuerbare Istzustand» zeigt folgendes:

  • Die Laufwasserkraftwerke produzieren bedeutend mehr Strom im Sommer als im Winter. Im Durchschnitt der Jahre 2022 bis 2025 produzierten diese im Juni 2,5-mal so viel wie im Februar. Speicherwasserkraftwerke produzieren im Januar am meisten und im April am wenigsten.
  • In den Monaten Juni bis August kann die Schweiz ihren Strombedarf allein mit den Erneuerbaren decken. Von November bis Februar beträgt die Produktion aus erneuerbaren Quellen aber nur rund die Hälfte des Bedarfs.
  • Im Sommerhalbjahr deckt Photovoltaik bereits einen beachtlichen Anteil des Strombedarfs.

Landesverbrauch und erneuerbare Produktion Istzustand (in TWh). Eigene Grafik

Bei Laufwasser und bei Speicherwasser wurde infolge der grossen Schwankungen von Jahr zu Jahr der Durschnitt der Jahre 2022 bis 2025 eingesetzt. Datenquelle: BFE-Publikationen

Windkraft als ideale Ergänzung zur Photovoltaik 

An sonnenlosen Tagen mit starkem Wind und in Nächten ohne Sonne, aber mit Wind, kann die Photovoltaik offensichtlich nicht rund um die Uhr Strom liefern. Hier bietet die Windkraft eine ideale Ergänzung zur Photovoltaik, da sie gerade in den Wintermonaten, in denen zwei Drittel ihrer Produktion anfallen, eine perfekte Komplementarität zur Photovoltaik darstellt. Es geht nicht darum, das eine gegen das andere auszuspielen, sondern vielmehr darum, Technologien miteinander zu kombinieren.

Während die Sonne vor allem im Sommerhalbjahr Strom liefert, erreicht die Windkraft ihren Höhepunkt im Winter. Rund 44 % der Jahresproduktion von Windenergieanlagen fallen in den kritischen Monaten zwischen November und Februar an. In dieser Zeit tragen Solarstromanlagen nur 11 % an der Jahresproduktion bei. Bei Laufwasserkraftwerken sind es rund 24 %.

Die folgende Grafik zeigt, welcher Anteil der Jahresenergie aus Windenergie im Vergleich zu Laufwasser und Photovoltaik in den Monaten November bis Februar produziert wird:

Anteil der Monate November bis Februar an der Jahresproduktion. Eigene Grafik

Gleichzeitig helfen Windenergieanlagen, teure Speicherinvestitionen zu reduzieren. Denn je besser die Erzeugung über das Jahr verteilt ist, desto weniger Energie muss gespeichert oder importiert werden. Das ist nicht nur eine technische, sondern vor allem eine strategische Überlegung – eine Frage der Souveränität und Systemstabilität. 

Das optimale Verhältnis zwischen Wind- und Solarenergie

Doch, wie sieht ein optimales Verhältnis zwischen Wind- und Solarenergie aus?

Betrachten wir zuerst die Stromproduktion aus Wind und Solar in Deutschland im Jahr 2024. Das Minimum war im November, das Maximum im Januar. Dezember, Januar und Februar sind die kältesten Monate. Gerade in diesen drei Monaten erreichte die Produktion aus Windenergie ihren Höhepunkt.

Öffentliche Nettostromerzeugung in Deutschland im Jahr 2024, nur Solar und Wind. Quelle: Energy-Charts

Die Farben haben folgende Bedeutung: gelb = Solar, hellgrün = Wind Onshore, dunkelgrün = Wind Offshore.

 

Öffentliche Nettostromerzeugung: Die öffentliche Nettostromerzeugung ist die gesamte Strommenge, die von Kraftwerken erzeugt wird und tatsächlich ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird.

Zu beachten ist, dass bei der Windenergie wohl die Produktion von Jahr zu Jahr ähnlich hoch ist (ohne Berücksichtigung des Zubaus), dass aber die Produktion pro Monat starken Schwankungen unterworfen ist. So wurde im Februar 2025 deutlich weniger Strom produziert als im Februar 2024 (44 % weniger), dafür war der Oktober besonders windig (36 % mehr). Da die installierte Leistung von 2024 bis 2025 um 7 % zunahm, sind die Zahlen aber nicht eins zu eins vergleichbar.

Ende 2024 betrug die installierte Windleistung 72,8 GW, die Photovoltaik-Leistung 92,4 GW. Vereinfacht kann daraus der Schluss gezogen werden:

Für einen optimalen Produktionsmix aus Wind und Solar muss die installierte Windleistung 75 % der installierten Photovoltaik-Leistung betragen. Bezogen auf die Produktion heisst das: Die Produktion aus Wind sollte etwa doppelt so hoch sein wie die Produktion aus Solar.

Wird Solar «zuungunsten» von Wind stärker ausgebaut, so steigt die Produktion hautsächlich im Sommer. Dabei liegt das Verbrauchsmaximum im Winter, insbesondere im meteorologischen Winter (Dezember bis Februar).

Betrachten wir nun die Situation in der Schweiz. Gemäss Zielsetzung des Bundes für das Jahr 2030 soll die Photovoltaik auf 18,7 TWh ausgebaut werden. Dieses Ziel ist durchaus erreichbar. Die Windenergie müsste aber gemäss obiger Logik auf rund 35 TWh ausgebaut werden. Dies wäre rund das 200-fache des Durchschnitts der Jahre 2022 bis 2024. Dieser Zubau ist völlig unrealistisch, selbst bis 2050 nicht. Berücksichtigt werden muss insofern, dass die Schweiz im Unterschied zu Deutschland viele Speicherwasserkraftwerke besitzt und so Strom indirekt vom Sommer in den Winter speichern kann.

Photovoltaik könnte auch im Winter mehr Strom erzeugen

Wie auch im Beitrag Windenergie: Ein unverzichtbares Puzzleteil thematisiert, ist der Beitrag der Photovoltaik zur Stromversorgung im Winter deutlich geringer als im Sommer.

Die meisten bisher installierten Solarstromanlagen sind so aufgestellt worden, dass der Jahresertrag möglichst hoch ist. Dies ist bei einer Dachneigung bzw. einem Aufstellwinkel zwischen 30 und 45 Grad und einer Ausrichtung nach Süden der Fall. Gemäss Berechnung mit dem Solarrechner-Tool beträgt bei einer Dachneigung von 40 Grad der Anteil der im Winterhalbjahr produzierten Energie rund 30 % der Jahresenergie (Standort Stadt Schaffhausen). Betrachten wir nur die Monate November bis Februar sind es bloss 14 %.

Nun stellt sich die Frage, wie die Solarstromproduktion im Winter gesteigert werden kann, indem der Aufstellwinkel geändert wird. Die folgenden Grafiken zeigen die Solarstromproduktion bei einer Dachneigung von 0, 40 und 75 Grad in der Stadt Schaffhausen (Leistung 5,3 kWp, Ausrichtung Süd). Alle Berechnungen wurden mit dem Solarrechner-Tool à https://www.swissolar.ch/de/angebot/tools-und-vorlagen/solarrechner durchgeführt.

Solarstromproduktion bei einer Dachneigung von 0 Grad, 40 Grad und 75 Grad. Standort Stadt Schaffhausen, Leistung 5,3 kWp, Ausrichtung Süd. Quelle: Solarrechner-Tool. Eigene Grafik

Nicht überraschend ist, dass ein Neigungswinkel von 0 Grad (d.h. Kollektoren liegen waagrecht auf dem Dach) gegenüber einem Neigungswinkel von 40 Grad nur Nachteile aufweist: Geringerer Jahresertrag und geringerer Ertrag im Winterhalbjahr. Wird der Neigungswinkel von 40 auf 75 Grad erhöht, so kann der Ertrag in den Monaten November bis Februar nur leicht erhöht werden, nämlich um 5 %. Der Winterertrag (Oktober bis März) ist praktisch identisch.

Fazit: Im Mittelland ist ein Aufstellwinkel von 30 bis 45 Grad ideal, eine Erhöhung auf 75 Grad oder mehr bringt keine Vorteile. Beachte: Nicht untersucht haben wir senkrecht stehende Module mit bifazialen (beidseitig aktiven) Solarzellen.

Nun vergleichen wir den Standort Schaffhausen mit Locarno, Davos und Samedan.

Solarstromproduktion von November bis Februar mit den Neigungswinkeln 40 und 75 Grad für die Standorte Schaffhausen, Locarno, Davos und Samedan. Eigene Grafik

In den Wintermonaten November bis Februar können Standorte im Tessin und in den Alpentälern zwischen 40 und 75 % mehr Strom produzieren als in Schaffhausen.

Zu beachten ist, dass es sich um rechnerische Werte handelt. In den Alpentälern ist die Besonnung im Winter oft nicht optimal (Schatten), Schnee auf den Panels kann die Produktion stark beeinträchtigen. Hingegen ist die Alpensüdseite ein idealer Standort für die Winterstromproduktion. Dort gibt es auch viele Gebäude und Infrastrukturanlagen, die sich für Photovoltaikanlagen hervorragend eignen. Aber auch in der Genfersee-Region sind die Erträge im Winter deutlich höher als im Mittelland.

Fazit: Damit die Winterstromproduktion aus Photovoltaikanlagen gesteigert werden kann, sollten grosse Solarstromanlagen, die nicht für den Eigenverbrauch produzieren, hauptsächlich an nebelfreien Standorten errichtet werden.

Bis vor kurzem bestand kaum ein Anreiz, Solarstromanlagen so aufzustellen, dass möglichst viel Strom im Winterhalbjahr produziert wird. Deshalb hat der Bund im Rahmen der Solarstromförderung einen Neigungswinkelbonus eingeführt und diesen per 1. Januar 2025 deutlich erhöht. Bedingung ist, dass die Anlage eine Neigung von mindestens 75 Grad aufweist.

Die beiden folgenden Grafiken basieren auf dem Stromgesetz, das bis 2050 einen Ausbau auf 45 TWh Strom aus erneuerbaren Quellen verlangt.

Obere Grafik: Monatliche Verteilung der Solarstromproduktion gemäss der aktuellen Energiestatistik des Bundes. Eigene Grafik

Untere Grafik: Monatliche Verteilung der Solarstromproduktion gemäss einer Berechnung für den Standort Locarno. Ausrichtung Süd, Dachneigung 40 Grad. Eigene Grafik

Gemäss der oberen Grafik kann in den Monaten November bis Februar nur rund 65 % des Landesverbrauchs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Dies trotz den enormen Photovoltaik-Zubaus auf 36,5 TWh. Gemäss der unteren Grafik können 77 % gedeckt werden. Die Jahresproduktion ist die gleiche (36,5 TWh), doch die Verteilung auf die einzelnen Monate ist für den Winter optimiert.

Viele Textpassagen stammen aus folgender Quelle: EnStrat