Ohne Windenergie wird es schwierig
Februar 2026
Kommentar von Reto Hunziker, Pro Wind Schaffhausen
Sehr aufschlussreich ist ein Blick auf die Stromversorgung der Schweiz im Januar 2026:
Nettostromerzeugung in der Schweiz im Januar 2026. Quelle: Energy-Charts
Nur rund zwei Drittel der Last konnte mit der Produktion aus eigenen Quellen gedeckt werden. Das hat nicht nur mit dem Ausfall des AKW Gösgen zu tun (dieses ist aufgrund von lange andauernden Reparaturarbeiten nicht am Netz), sondern auch mit der verminderten Produktion der Wasserkraftwerke. Die folgende Grafik zeigt den Füllungsgrad der Speicherseen in der Schweiz. Der Stand anfangs 2026 war sehr niedrig. Die Situation hat sich im Februar aufgrund der vielen Niederschläge etwas entspannt.
Füllungsgrad der Speicherseen in der Schweiz anfangs 2026. Quelle: Bundesamt für Energie BFE
Interessant ist ein Vergleich mit dem Januar 2024:
Nettostromerzeugung in der Schweiz im Januar 2024. Quelle: Energy-Charts
Im Vergleich mit dem Januar 2024 produzierten die Kernkraftwerke rund ein Drittel weniger, die Laufwasserkraftwerke rund 50 % weniger sowie die Speicherwasserkraftwerke 40 % weniger. Die Pumpspeicherkraftwerke produzierten in etwa gleich viel Strom. Wie zu erwarten, ist der Anteil der Photovoltaik im Januar gering. Die Produktion hat sich aber innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt; im Januar 2026 waren es fast 5 % der Last! Doch wo bleibt die Windenergie?
Hier ist ein Vergleich mit anderen Ländern sehr aufschlussreich.
Öffentliche Nettostromerzeugung in Deutschland im Januar 2026. Quelle: Energy-Charts
Deutschland wies einen leichten Importüberschuss auf. 32 % der Last deckte die Windenergie (Wind Onshore und Wind Offshore) ab. Deutschland wäre nicht auf Importstrom angewiesen gewesen. Doch es war billiger, Strom zu importieren als alte Kohlekraftwerke hochzufahren.
Öffentliche Nettostromerzeugung in Schweden im Januar 2026. Energy-Charts
Schweden konnte im Januar mehr Strom in andere Länder exportieren als importieren. 22 % der Last deckte die Windenergie ab.
Öffentliche Nettostromerzeugung in Spanien im Januar 2026.
Auch Spanien verzeichnete im Januar einen Exportüberschuss. Die Windenergie deckte sogar 35 % der Last ab.
Fazit
Im Vergleich zu anderen Ländern hat die Schweiz ihre «Hauaufgaben» in Sachen Ausbau der Erneuerbaren noch nicht erledigt, insbesondere beim Ausbau der Windenergie. Dabei wird auch in der Schweiz die Kernenergie eines Tages wegfallen – und dies bei einem prognostizierten höheren Stromverbrauch. Das Ziel ist, dass die Schweiz zukünftig den Strombedarf möglichst aus erneuerbaren Quellen decken kann. Dieses Ziel fusst auf der Energiestrategie und dem Stromversorgungsgesetz. Wenn es in diesem Ausbautempo weitergeht, sind zukünftige Versorgungskrisen im Winter nicht auszuschliessen.
Von Gegner der Energiewende wird immer wieder betont, dass die Produktion aus Wind und Sonne grossen Schwankungen unterliege und deshalb unzuverlässig sei. Gerne wird übersehen, dass auch die Nutzung der Wasserkraft grossen Schwankungen unterworfen ist. Aufgrund der Klimaerwärmung könnte sich das noch akzentuieren. Dies erschwert die Planung der Versorgungssicherheit.
Andere Länder sind wohl schon weiter, aber noch nicht am Ziel. Insbesondere in Deutschland wird noch viel Kohle für die Erzeugung von Strom verbrannt. Es muss aber auch betont werden, dass die Kohlendioxidemissionen der deutschen Stromerzeugung im Jahr 2025 58 % niedriger waren als zu Beginn der Datenerhebung im Jahr 1990. Die Kohleverstromung ist gar auf den niedrigsten Wert seit 1956 gefallen.
Last: Die Last ist die elektrische Leistung, die von Stromverbrauchern aufgenommen wird. Der Hauptunterschied zwischen «Last» und «Endenergieverbrauch» besteht darin, dass die Last den gesamten Stromverbrauch inklusive Netzverluste darstellt, während der Endenergieverbrauch sich auf die Energie bezieht, die von den Endverbrauchern tatsächlich genutzt wird.