Landschaftsschutz und Akzeptanz – ein Spannungsfeld
Publiziert: April 2026
Das wohl wichtigste Gegenargument gegen Windkraft ist der Eingriff ins Landschaftsbild. Viele Menschen empfinden Windturbinen als störend.
Doch jede Energieform hinterlässt ihre sichtbaren Spuren:
- Fossile Energien benötigen Land für Raffinieren, Hafenanlagen, Pipelines, Strassen, Werften und Tanklager.
- Der Abbau von Braunkohle, Ölsanden und Uran benötigt riesige Flächen.
- Wasserkraft beansprucht Täler und Flussläufe.
- Photovoltaik benötigt grosse zusätzliche Flächen, wenn sie nicht auf Gebäuden oder auf Infrastrukturanlagen installiert werden.
- Biomasse braucht landwirtschaftliche Nutzflächen oder Wälder.
Wohl benötigt auch der Abbau von Rohstoffen für die Energiewende Flächen. Doch der Unterschied ist, dass Kupfer, Aluminium, Stahl, Silizium, Kobalt usw. rezykliert werden können. Die metallischen Rohstoffe werden gebraucht. Die fossilen Rohstoffe werden verbraucht.
Die Frage lautet also nicht, ob wir Eingriffe akzeptieren, sondern welche und wo. Wenn Windkraft an geeigneten Standorten einen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur erneuerbaren Stromproduktion leistet, dann ist sie auch ein Beitrag zum Schutz der Landschaft. Sie verhindert, dass künftig noch stärkere Eingriffe an anderer Stelle mit anderen Technologien nötig werden.
Zudem gilt laut Stromgesetz: Die schützenswertesten Landschaften sind die Biotope von nationaler Bedeutung. In diesen Gebieten sind Windparks generell verboten.
«In jedem Kanton sagt jemand «unsere Landschaft ist zu schön für Windräder». Aber meine Erfahrung zeigt: Windenergie und Naturerlebnis sind kompatibel. Ob am Mont Crosin oder in Andermatt – wir können die Schönheit der Landschaft bewahren und gleichzeitig einen energetischen Mehrwert schaffen. Es ist kein Widerspruch, sondern eine sinnvolle Kombination. Denken Sie an die Wasserkraft. Diese wurde zu Beginn auch teilweise bekämpft und ist heute Teil der Heimat.» Zitiert aus: Interview mit Cédric Aubert in der südostschweiz (31. Januar 2026)
Windenergieanlagen verändern das Landschaftsbild. Genauso wie Bahntrassen, Strassen, Brücken, Industrieareale und Hochhäuser. Bilder: Reto Hunziker
Während Kernkraftwerke über einen Zeitraum von über 15 Jahren zurückgebaut werden müssen, bevor die Fläche wieder verwendet werden kann, und für den Bau von Flusskraftwerken der Flusslauf dauerhaft angepasst werden muss, handelt es sich bei Windenergieanlagen um befristete Projekte (25 bis 30 Jahre), die nach Erreichen des Lebensendes in kürzester Zeit ohne jegliche Rückstände zurück gebaut werden können. Der Ursprungszustand der Natur wird hier zu 100 Prozent wieder hergestellt.
Neubau Staumauer Spitallamm am Grimselsee (August 2024). Die alte Staumauer wurde nicht abgerissen, da dies zu aufwendig und zu teuer war. Die neue Staumauer wurde einfach vor die alte gebaut... Bild: Reto Hunziker
Eine der grössten Gefahren für die Landschaft ist der Klimawandel. Denn der Klimawandel verändert das Landschaftsbild durch Gletscherschwund, Waldsterben (Borkenkäfer, Trockenheit), das Einwandern neuer Pflanzenarten und verstärkte Erosion.
Der Tschiervagletscher im Val Roseg im Oberengadin in den Jahren 1985, 2002, 2015 und 2024. Bilder: Reto Hunziker
Es ist eine Anmassung zu glauben, nur bei uns gäbe es schöne Landschaften. Die Menschen in der Umgebung von Windparks in Norddeutschland finden ihre Landschaften ebenfalls schön. Bild: Reto Hunziker
Quellen: