Keine Stromlücke in der Schweiz dank Solarenergie
Publiziert: August 2026
Die Stromproduktion in der Schweiz sinkt aufgrund tiefer Flusspegel. Viel Sonnenstrom verhindert einen Engpass.
Kleine Flüsse sind oft nur noch ein Rinnsal, grössere Flüsse wie Aare, Rhein oder Rhone führen derzeit zum Teil so wenig Wasser wie nie seit der Aufzeichnung der Messdaten. Die wochenlange Trockenheit ohne nennenswerte Niederschläge hat inzwischen auch grossen Einfluss auf die Stromproduktion: Die Laufwasserkraftwerke entlang der Flüsse produzieren im langjährigen Vergleich deutlich weniger Strom.
Stromproduktion durch Laufwasserkraftwerke (in GWh)
Die Jahre 2003 und 2022 waren ebenfalls sehr trocken, 2016 hingegen war ein niederschlagsreiches Jahr.
Zahlen Juli 2026: provisorische Daten gemäss Energy-Charts. Quelle: BfE, Energy-Charts
Das zeigt sich auch im Vergleich mit anderen, ausserordentlich trockenen Jahren wie 2003 oder 2022. Besonders augenfällig ist der Unterschied, wenn die Stromproduktion mit einem niederschlagsreichen Jahr wie 2016 verglichen wird.
Die Stromversorger mit Einbussen
Die tiefere Stromproduktion wirkt sich auch direkt auf die Energieunternehmen aus. Repower, der Stromversorger aus dem Kanton Graubünden, schreibt auf Anfrage: «In unseren Wasserkraftwerken lag die Stromproduktion in den Monaten Mai bis Juli aufgrund der geringen Wasserzuflüsse rund 25 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.»
Ähnlich tönt es beim Walliser Energieunternehmen Forces Motrices Valaisannes (FMV): «Aufgrund der geringen Niederschlagsmenge im Winter war die Schneedecke am Ende des Winters dünn und lag unter dem langjährigen Durchschnitt. Dies führte zu einer geringeren Schneeschmelze und damit zu einem Rückgang der Stromerzeugung der Laufwasserkraftwerke im Zeitraum von Mai bis Juli.»
Auch ausserhalb des Alpenraums zeigen sich dieselben Folgen. Der Energiekonzern Alpiq aus Lausanne teilt mit: «Für unsere Laufwasserkraftwerke, insbesondere die Anlagen (…) entlang der Aare, verzeichnen wir sehr geringe Wasserzuflüsse.» Den Rückgang bei diesen Anlagen beziffert Alpiq auf rund 15 Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnitt.
Kaum Regen, dafür viel Sonnenschein
Obschon die Laufwasserkraftwerke derzeit deutlich weniger Strom liefern als sonst und auch die beiden AKW Beznau I und II vom Netz sind, ist es bisher in der Schweiz zu keinem Stromengpass gekommen.
Dieser Umstand ist vor allem den vielen Sonnenstunden geschuldet: Da die Sonne täglich von früh bis spät scheint, produzieren die Solaranlagen viel Sonnenstrom.
Sonnenstunden Station Zürich/Fluntern (in h)
Quelle: SRF Meteo
Anders als noch vor wenigen Jahren haben die Solaranlagen diesen Sommer jedoch einen substanziellen Beitrag zur Stromproduktion geleistet. Diese Entwicklung ist vor allem auf den massiven Zubau an Solaranlagen seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs zurückzuführen.
Solarenergie stopft die Stromlücke
«Die Solarenergie wirkt derzeit als bedeutender Puffer gegenüber den ungünstigen hydrologischen Bedingungen in der Schweiz. Ohne den starken Ausbau der Photovoltaik in den vergangenen Jahren wäre die Strombilanz derzeit angespannter (...)», schreibt auch die Eidgenössische Elektrizitätskommission Elcom auf Anfrage von SRF.
Vergleich von Laufwasserkraftwerken und Solaranlagen (in GWh)
In den vergangenen Jahren ist der Anteil der Solaranlagen (= Photovoltaik) in der Schweiz stark gewachsen. Entsprechend hat auch der Anteil des Sonnenstroms deutlich zugenommen.
Zahlen Juli 2026: provisorische Daten gemäss Energy-Charts. Quelle: BfE, Energy-Charts
Die Elcom beaufsichtigt die Versorgungssicherheit in der Schweiz und betont: «Ohne diesen zusätzlichen Beitrag müsste die Schweiz voraussichtlich mehr Wasser aus den Speicherseen zur Stromerzeugung einsetzen, mehr Strom importieren oder weniger exportieren und könnte zudem mit höheren Strompreisen konfrontiert sein.»
Konkret helfen die Solaranlagen also mit, das Wasser in den Pumpspeicherseen zu schonen. Dieses Wasser wird vor allem vor dem Sonnenaufgang und nach dem Sonnenuntergang für die Stromproduktion genutzt, wenn die Solaranlagen keinen Strom mehr liefern.
Quelle: SRF vom 03.08.2026
Photovoltaikinstallationen in der Schweiz
Quelle: BFE 2025: Statistik Sonnenenergie, Prognose durch Swissolar. Erstellt mit Datawrapper.
Das Bundesamt für Energie die Solarenergie-Statistik für das Jahr 2025 veröffentlicht. Sie zeigt wiederum einen deutlichen Zuwachs der installierten Photovoltaikleistung auf neu 9,5 Gigawatt, die im vergangenen Jahr knapp 8 Terawattstunden (TWh) Strom lieferten, was nahezu 14 Prozent des Endverbrauchs entspricht. Solarstrom lieferte damit den grössten Teil der gesamten Stromproduktion aus neuen erneuerbaren Energien (ohne Wasserkraft) von 10,3 TWh.
Quelle: ee-news vom 15.07.2026