Ist Mikroplastik bei Windenergieanlagen ein Problem?

Publiziert: April 2026

Mikroplastik entsteht bei Windenergieanlagen durch den Abrieb (Erosion) an den Rotorblättern, insbesondere an deren Vorderkanten. Dieser Prozess tritt während des Betriebs auf, wenn Regen, Hagel oder Staub bei hohen Blattspitzengeschwindigkeiten (bis über 300 km/h) auf die Beschichtung aus Lacken und Folien treffen.

Der Abrieb beeinträchtigt auf Dauer unter anderem die Leistungsfähigkeit der Anlage und erfordert daher regelmässige Wartungs- und Reparaturarbeiten. Nicht zuletzt deshalb versuchen die Betreiber die verwendeten Materialien zu optimieren, um den Abrieb und damit auch die Mikroplastikmenge zu minimieren.

Woher kommt das Mikroplastik?

Eine Studie vom Fraunhofer-Institut listet 30 Mikroplastik-Quellen und deren jährliche Mengen für Deutschland auf. Der unangefochtene und unrühmliche Spitzenreiter ist der Strassenverkehrssektor, der alleine mit dem Abrieb von Reifen und Asphalt für mehr als 50 % des jährlich produzierten Mikroplastiks in Deutschland verantwortlich ist.

Mikroplastik Quellen – Anteile in % nach Kategorie. Grafik: Windkraft BB. Auswertung: https://wkbb.de/n; Datenquellen: Fraunhofer (2018) >>, Wissenschaftliche Dienste Deutscher Bundestag (2020) >>

Mikroplastik Quellen – Anteile in Tonnen pro Jahr. Grafik: Windkraft BB. Datenquellen: Fraunhofer (2018) >>, Wissenschaftliche Dienste Deutscher Bundestag (2020) >>

Die Menge Mikroplastik, welche von den Rotorblättern von Windrädern stammt, ist also im direkten Vergleich mit anderen Quellen eher unbedeutend. Das bedeutet aber nicht, dass man das Problem nicht ernst nehmen sollte.

Der Deutsche Bundestag hat für das Jahr 2020 eine Worst-Case-Abschätzung für alle Windenergieanlagen (ca. 31’000) in Deutschland durchgeführt und ist auf einen maximalen Abrieb von 1395 Tonnen pro Jahr gekommen. Der tatsächliche Wert dürfte jedoch deutlich niedriger liegen - bei wenigen 100 Gramm pro Anlage und Jahr. Eine Untersuchung in Norwegen ergab einen jährlichen Abrieb von ca. 200 g Mikroplastik pro Jahr und Windkraftanlage bzw. einen Abrieb von 2 kg über 10 Jahre.

Um der durch Umwelteinflüsse bedingten Erosion der Rotorblätter entgegenzuwirken, werden diese regelmässig gewartet. Gleichzeitig werden die Beschichtungsmaterialien aus Folien und Lacken in verschiedenen Forschungsprojekten immer weiter optimiert. 

Zum Vergleich: Der Abrieb von Schuhsohlen liegt bei etwa 9047 Tonnen pro Jahr, der von Autoreifen sogar bei 102'090 Tonnen!

Vergleich der Abriebsmengen von Mikroplastik verschiedener Herkunft in Deutschland. Grafik: ee mag - Das Magazin der Europäischen Energiewende. Quelle: Wissenschaftliche Dienste Deutscher Bundestag (2020) >>

Strassenverkehr

Wenn man Mikroplastik mengenmäßig reduzieren möchte, macht es Sinn, bei den grössten Verursachern anzufangen. Der Strassenverkehrsbereich, der für mehr als 50 % des Mikroplastiks verantwortlich ist, bietet viel Potential, diese Menge deutlich zu reduzieren. Einige einfach umsetzbare Maßnahmen reduzieren nicht nur die erzeugte Mikroplastikmenge, sondern sparen effektiv C0₂ ein und senken nebenbei die Kraftstoff- bzw. Ladestromkosten.

Feinstaub vs. Mikroplastik

Feinstaub sind Partikel, die unter zehn Mikrometer groß sind. Feinstaub entsteht grundsätzlich nur bei der Produktion und beim Zerkleinern der Rotorblätter. Beim Partikelabrieb während der Betriebszeit handelt es sich um Mikroplastik.