Ist der von Windenergieanlagen erzeugte Infraschall gefährlich?

Publiziert: April 2026

Was ist Infraschall?

Infraschall ist Schall, der unterhalb der menschlichen Hörschwelle, also unterhalb von 16 bis 20 Hertz (Schwingungen pro Sekunde) liegt. Infraschall tritt sowohl in der Natur (Meeresbrandung, Wind, Donner) als auch durch menschliche Quellen (Verkehr, Industrieanlagen, Maschinen) auf.

Infraschall breitet sich dabei – genau wie jeder andere Luftschall – von der Schallquelle in Wellen aus. Diese Wellen verteilen sich kugelförmig in alle Richtungen. Die Schallenergie verteilt sich so auf eine immer größer werdende Fläche und nimmt dabei stetig ab. Ein Teil des Schalls wird zudem bereits durch die Luft absorbiert. Eine Besonderheit von Infraschall ist, dass er durch seine grosse Wellenlänge kaum von Luft oder Boden absorbiert wird. Massive Hindernisse, wie Bäume, Wände und Fenster dämmen Infraschall kaum, wodurch er auch in Gebäude dringen kann. Daher ist es kaum möglich sich gegen Infraschall abzuschirmen.

Wie nehmen wir Infraschall wahr?

Infraschall kann definitionsgemäss nicht gehört, wohl aber als Druckänderung oder Vibration in Gehör- oder Magengegend wahrgenommen werden, zum Beispiel als wummernde, tieffrequente Bässe bei einem Rockkonzert.

Wie entsteht Infraschall bei Windenergieanlagen?

Infraschall bei Windenergieanlagen entsteht, wenn der Wind auf die Rotorblätter eines Windrads trifft, sie umströmt und dabei Wirbel bildet. Je stärker der Wind weht, desto mehr Energie wird in Bewegung gesetzt und damit in Schall umgewandelt – dadurch nimmt auch die Schallabstrahlung der Windkraftanlage zu.

Geringe Infraschallbelastung durch Windräder

Im Vergleich zu anderen technischen oder natürlichen Quellen sind Windenergieanlagen verhältnismäßig schwache Infraschallquellen. Laut Messungen der Landesanstalt für Umwelt in Baden-Württemberg (LUBW) aus dem Jahr 2020 liegt der Infraschall bereits bei einem Abstand von 150 Metern von einer Windkraftanlage unter der Wahrnehmungsgrenze des Menschen. Nach wenigen hundert Metern wird er von weiteren natürlichen Geräuschen überdeckt. Aus diesem Grund geht man nicht von Belästigungseffekten bei Infraschall aus.

Ältere Anlagengenerationen (mit Strömungs-Abriss-Technologie bzw. Stall-Technologie) haben deutlich mehr Infraschall produziert als die heute ausschliesslich eingesetzten Anlagen mit Pitch-Regelung.

Neue Windenergieanlagen sind mit einer automatischen Flügelneigung (Pitch-Regelung) ausgerüstet. Dabei werden der Stand und die Geschwindigkeit der Rotorblätter ständig an die Windverhältnisse angepasst, um den grösstmöglichen Stromertrag zu erzielen.

Infraschall-Studie: Kleiner Rechenfehler, grosse Folgen

Eine Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aus dem Jahr 2005 sorgte für Verunsicherung, da sie aufgrund eines Rechenfehlers die Infraschallbelastung durch Windenergieanlagen um das 4000-fache überschätzte. Jahrelang fiel der folgenschwere Irrtum nicht auf. Erst Jahre später wurde der Fehler entdeckt und korrigiert. Im April 2021 entschuldigte sich der damalige Wirtschaftsminister Peter Altmaier öffentlich für den Rechenfehler der ihm unterstellten Behörde.

Infraschall-Mythos hält sich hartnäckig

Auch wenn Windenergieanlagen keinen nennenswerten Beitrag zur Infraschallbelastung leisten und der gemessene Infraschall weder gefährlich noch in irgendeiner Weise schädlich ist, hält sich der Mythos hartnäckig. Und dass obwohl die Studie «Der unhörbare Lärm von Windkraftanlagen» der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) schon lange widerlegt wurde.

Hat Infraschall Auswirkungen auf den Menschen?

Bislang konnten wissenschaftliche Studien keinen Nachweis erbringen, dass der von Windrädern ausgehende Infraschall schädliche Wirkungen auf die Gesundheit des Menschen hat. Die bereits erwähnte Studie der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg konnte nahe an Windenergieanlagen nur unterschwelligen Infraschall feststellen. Das bedeutet, dass die Intensität des Infraschalls zu gering ist, um bewusst wahrgenommen zu werden. Eine Schlaflabor-Studie des Woolcock Institute of Medical Research in Australien zeigte, dass selbst bei höheren Infraschallpegeln als in der Nähe von Windparks keine gesundheitlichen Auswirkungen nachweisbar waren.

Stassenverkehr

Gemäss der bereits erwähnten Studie der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg sind die gemessenen tieffrequenten Geräusche im Strassenverkehr signifikant lauter als in der Umgebung von Windkraftanlagen. Nachts sanken die Infraschall- und tieffrequenten Geräuschpegel ab. Wesentlich höhere Pegel treten im Innenraum eines mit 130 km/h fahrenden Mittelklasse-Pkw auf. Hierbei handelt es sich zwar nicht um Immissionen in freier Umgebung, aber um eine Alltagssituation, der viele Menschen oft auch für längere Zeit ausgesetzt sind. Der Infraschall ist hier um mehrere Grössenordnungen stärker als in der Umgebung von Windkraftanlagen.

Wann Infraschall doch krank machen kann

Ist Infraschall so intensiv, dass er oberhalb der menschlichen Wahrnehmungsschwelle liegt, hat er durchaus Einfluss auf unsere Gesundheit. Laboruntersuchungen zeigen, dass solch starker Infraschall über längere Zeit ermüdend wirken und sich negativ auf die Konzentrationsfähigkeit auswirken kann. Auch das Gleichgewichtssystem kann unter bestimmten Bedingungen beeinträchtigt werden. Solch hohe Intensitäten treten jedoch im Alltag, und vor allem bei Windkraftanlagen, nicht auf.

In einer Studie der Universitätsmedizin Mainz wurde nachgewiesen, dass Auswirkungen von Infraschall auf Herzmuskelfasern erst ab Schalldrücken von 110 dB auftreten – das ist das 100‘000-fache der maximal gemessenen Schalldrücke in der Nähe von Windenergieanlagen in einer Entfernung von 200 Metern (60 dB). Zum Vergleich: Übertragen auf hörbaren Lärm entsprechen 110 dB einer Motorsäge oder einem Disco-Aufenthalt, 60 dB laut ist eine Nähmaschine.

Fazit

Dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zufolge gibt es keine Belege dafür, dass der von Windenergieanlagen erzeugte Infraschall gesundheitsschädlich ist. Die gemessenen Infraschallpegel liegen deutlich unter der menschlichen Wahrnehmungsschwelle. Die Infraschallbelastung in einem Auto ist um ein Vielfaches höher als die in der Nähe einer Windenergieanlage.


Studien zum Thema Infraschall

Es gibt zahlreiche Studien zum Thema Windenergie und Infraschall:

  • «Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass bei Einhaltung der massgebenden Belastungsgrenzwerte keine gesundheitlichen Auswirkungen von Windenergieanlagen zu erwarten sind.» Das zeigt Ende 2020 eine Literaturübersicht des niederländischen «National Institute for Public Health and the Environment», die im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) erstellt wurde. Damit wurden die Ergebnisse der ersten solchen Studie des BAFU von 2017 sowie zahlreiche Studien aus dem Ausland bestätigt.
    Zum Bericht auf der Website des BAFU (englisch, deutsche Zusammenfassung auf den Seiten 13 und 14)
  • Forscher der Universität Bayreuth haben die Infraschallbelastung in einem fahrenden Auto mit einem Turbomotor untersucht: Gemäss diesen Messungen sind die Menschen im Auto mit Turbomotor während 3 Stunden derselben Menge an Infraschall ausgesetzt, die eine Windenergieanlage an ihre Umgebung auf 300 Meter Entfernung während 27 Jahren abgibt.
    Universtität Byreuth Infraschall im Auto
  • 2020 machte Freie Landschaft Schweiz mit einer Studie mit dem Titel «Intensité des infrasons émis par les éoliennes et sa dépendance du sous-sol et d’effets résonants dans les constructions» der von dem pensionierten Physiker Bernard Jeanneret verfasst worden war, Schlagzeilen. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) stellte 2022 fest, dass die in der Studie publizierten Schallpegel um 46 dB zu hoch ausgewiesen waren: Der Bericht stützte sich im Wesentlichen auf Daten in Grössenordnungen, die physikalisch unmöglich sind.
    Zur der vom Bundesamts für Umwelt in Auftrag gegebenen Studie

 

Außer der genannten fehlerhaften Studie des BGR kommen sämtliche anderen Studien zu dem Ergebnis, dass die Infraschall-Emissionen von Windkraftanlagen bereits ab 200 Metern Entfernung unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegen (aber noch deutlich messbar sind) und ab 700 Metern auch messtechnisch kaum mehr vom Hintergrundrauschen zu unterscheiden sind.


Quellen:

Suisse Eole