IEA-Bericht: Solarenergie überholt erstmals alle anderen Energiequellen

Publiziert: Mai 2026

Erneuerbare Energien sind weltweit im Trend, und eine besondere Rolle spielt dabei die Solarenergie. Im vergangenen Jahr hat ihr Zuwachs erstmals den aller anderen Energieträger überholt.

Wie aus dem Global Energy Review 2026 der Internationalen Energieagentur (IEA) hervorgeht, entfielen mehr als 25 Prozent des weltweiten Energieangebotswachstums auf Photovoltaik – noch nie zuvor hat eine moderne erneuerbare Energiequelle die globale Primärenergie-Expansion angeführt.

Erdgas folgte mit 17 Prozent auf dem zweiten Platz.

Die Gesamtenergienachfrage stieg 2025 um 1,3 Prozent – weniger als im Vorjahr und unter dem Durchschnitt des vergangenen Jahrzehnts. Schwächeres Wirtschaftswachstum, mildere Witterung in einigen Regionen und effizientere Technologien bremsten den Verbrauch.

Beim Strom sieht das Bild allerdings grundlegend anders aus: Der weltweite Elektrizitätsbedarf legte um rund drei Prozent zu, mehr als doppelt so schnell wie die Gesamtnachfrage. Treiber sind die zunehmende Elektrifizierung in Gebäuden und Industrie, wachsende E-Auto-Flotten und der steigende Energiehunger von Rechenzentren.

IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol fasste die Entwicklung im Bericht zusammen: Der Stromverbrauch wachse «viel schneller als die gesamte Energienachfrage – und eine Energiequelle wächst viel schneller als jede andere».

600 Terawattstunden Solarzuwachs in einem Jahr

Die Zahlen im Stromsektor sind bemerkenswert: Solaranlagen erzeugten 2025 weltweit rund 600 Terawattstunden (TWh) mehr als im Vorjahr. Das ist – abgesehen von den Erholungsphasen nach Wirtschaftskrisen – der grösste jemals von einer einzelnen Stromerzeugungstechnologie verzeichnete Jahresanstieg.

Erneuerbare und Kernenergie deckten zusammen fast 60 Prozent des gewachsenen Energiebedarfs ab. Die saubere Stromerzeugung überstieg sogar das gesamte Strombedarfswachstum – emissionsarme Quellen kompensierten den Anstieg also mehr als vollständig.

Batteriespeicher erwiesen sich als die am schnellsten wachsende Stromtechnologie: Rund 110 Gigawatt (GW) neue Kapazität gingen ans Netz – mehr als je zuvor in einem einzelnen Jahr bei Erdgaskraftwerken.

Auch die Kernkraft erlebt ein Comeback: Mehr als zwölf Gigawatt an neuen Reaktoren wurden 2025 in verschiedenen Regionen in Bau genommen.

E-Autos bremsen Ölnachfrage

Die globale Ölnachfrage wuchs 2025 lediglich um 0,7 Prozent. Einen wesentlichen Anteil daran, dass der Zuwachs hier so gering ausfiel, hatten Elektrofahrzeuge: Die Verkäufe stiegen laut IEA um mehr als 20 Prozent auf über 20 Millionen Fahrzeuge – etwa jeder vierte weltweit verkaufte Neuwagen fährt mittlerweile elektrisch. Das setzt den Absatz von Benzin und Diesel unter zunehmenden Druck.

Beim Kohleverbrauch zeigten sich gegenläufige Trends: In China senkten Erneuerbare den Kohleeinsatz in der Stromerzeugung deutlich, während in den USA höhere Erdgaspreise Versorger zurück zur Kohle trieben.

CO₂-Emissionen: China sinkt, Industriestaaten steigen

Die globalen energiebedingten CO₂-Emissionen legten 2025 um etwa 0,4 Prozent zu – langsamer als in den Vorjahren.

Chinas Emissionen sanken dank des rasanten Erneuerbaren-Ausbaus sogar absolut. Indiens Emissionen stagnierten – abgesehen von den Pandemiejahren – erstmals seit den 1970er-Jahren, begünstigt durch eine starke Monsunsaison.

Ein Novum: In den Industriestaaten wuchsen die Emissionen mit Plus 0,5 Prozent erstmals seit den 1990er-Jahren schneller als in Schwellen- und Entwicklungsländern (Plus 0,3 Prozent). Ein kalter Winter trieb dort den fossilen Energieverbrauch nach oben.

Die USA verzeichneten eines ihrer stärksten Nachfragejahre dieses Jahrhunderts, angetrieben durch Rechenzentren, Industrieaktivität und Heizungsbedarf.

Saubere Technologien verdrängen fossile Brennstoffe

Seit 2019 haben emissionsarme Technologien eine Größenordnung erreicht, die den fossilen Verbrauch messbar reduziert. Die IEA beziffert die durch Solar, Wind, Wärmepumpen und andere saubere Technologien vermiedene jährliche Fossilnachfrage auf das Niveau des gesamten Energieverbrauchs Lateinamerikas. Zusammen verdrängen diese Technologien eine Erdgasnachfrage, die etwa der Hälfte der weltweiten LNG-Exporte entspricht.

Auch in Deutschland zeigt sich der Trend: Die Solarstromeinspeisung stieg 2025 um 21 Prozent auf 71 TWh und überholte damit erstmals die Braunkohle mit 67 TWh. Der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix lag bei 55,9 Prozent.

Der boomende Rechenzentrumsausbau in Europa – der Strombedarf soll sich bis 2030 auf 150 bis 238 TWh mehr als verdoppeln – dürfte den Elektrifizierungstrend weiter beschleunigen.

Weltweit wird aber immer stärker auf Wind- und Solarenergie gesetzt

Zum Auftakt des Petersberger Klimadialogs meldet die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) einen Rekord beim Ausbau von Ökostrom weltweit. 2025 seien global 692 Gigawatt Kapazität zugebaut worden, sodass die insgesamt installierte Leistung nun bei 5‘149 Gigawatt liege, erklärte IRENA-Chef Francesco La Camera in Berlin. Im Jahresvergleich lag der Anstieg demnach bei 15,5 Prozent.

Damit sei der Anteil der gesamten installierten Stromkapazität um mehr als drei Prozentpunkte auf 49,4 Prozent gestiegen. «Heute basiert die Hälfte der weltweit installierten Stromkapazität auf erneuerbaren Energien», erklärte La Camera.

Beim Zubau hatte die Solarenergie nach seinen Angaben mit 511 Gigawatt einen Anteil von rund 75 Prozent. Windenergie folgte mit einem Zubau von 159 Gigawatt. Gut 74 Prozent des Zubaus fand in Asien statt, davon allein 440 Gigawatt in China. Asien hat den Angaben zufolge die weltweit größte Kapazität an erneuerbaren Energien, nämlich 2891 Gigawatt. Nummer zwei sei Europa mit 934 Gigawatt.

La Camera erklärte weiter, mehr als 85 Prozent der neu zugebauten erneuerbaren Energien seien günstiger als fossile Energiequellen wie Öl, Gas oder Kohle. Die Kosten der Solarenergie seien seit 2010 um 87 Prozent gefallen. Bei Windkraft an Land betrage der Preisrückgang 55 Prozent und bei Batteriespeichern 93 Prozent.

«Erneuerbare reduzieren die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffimporten», ergänzte der IRENA-Chef. So hätten zum Beispiel Spanien und Portugal ihre Kapazitäten so ausgebaut und die Importe von Erdgas so reduziert, dass Erdgas den Preis nur noch für 15 Prozent der Energie setze. Das Gegenbeispiel sei Italien, wo Gas in 89 Prozent der Fälle den Preis bestimme.

In einem Photovoltaik-Kraftwerk in Yinchuan im nordwestchinesischen Autonomen Gebiet Ningxia Hui stauben Mitarbeiter nach windigem Wetter Photovoltaik-Paneele ab. Bild: picture alliance/dpa/XinHua