Ein zweites Datencenter im Kanton Schaffhausen?

Aktualisiert: Januar 2026

Ein zweites Datencenter für Schaffhausen? Es ist nur eine Frage der Zeit

Wie die «Schaffhauser Nachrichten» (SN) in der Ausgabe vom 26. November 2025 berichteten, finden bereits Gespräche über ein zweites Datencenter im Kanton Schaffhausen statt. Dabei ist das erste noch nicht mal fertig gebaut. Wie Recherchen der SN zeigen, laufen in Beringen Gespräche mit Betreibern von Datencentern.

«Denn der Kanton ist ideal für solche Infrastruktur: Er verfügt über ein gut ausgebautes Glasfaser- und Stromnetz und liegt entlang einer wichtigen Verkehrsachse (Zürich – Stuttgart). Hinzu kommt, dass wichtige transatlantische Datenkabel an der französischen Atlantikküste entlang und von dort aus über diverse Verbindungen in Richtung Frankfurt führen. Dort befindet sich einer der weltweit wichtigsten Internetknoten. Die Folge: Schaffhausen dürfte ein attraktiver Standort für weitere Datencenter bleiben.», so die SN.

Inzwischen hat die Politik Wind von den Gesprächen bekommen, die in Beringen laufen. Maurus Pfalzgraf (Grüne) will von der Schaffhauser Regierung wissen, wie sie sich im Falle eines Baugesuchs für ein Datencenter verhalten werde.

«Teilt der Regierungsrat die Auffassung, dass er alles in seiner Macht Stehende tun sollte, um darauf hinzuwirken, dass ein allfälliges zweites Datencenter an einem abwärmetechnisch sinnvolleren Ort gebaut wird?», fragt Pfalzgraf. Die Abwärmenutzung sei mit erheblichen Investitionskosten verbunden. Diese Kosten wären tiefer, so Pfalzgraf, wenn das Datencenter näher an einem Siedlungsraum steht. Denn wo gelebt wird, gibt es einen grösseren Wärmebedarf. «Nur schon aus dem Vorsorgeprinzip wäre es sinnvoll, wenn der Kanton versuchen würde, künftig zu verhindern, dass ein allfälliges zweites Datencenter oder ein anderer Abwärmeproduzent in dieser Grössenordnung wieder an einem abwärmetechnisch schlechten Ort gebaut wird.»

Zweites Datencenter in Beringen: Verträge unterschrieben – es könnte die Rettung für die Abwärmenutzung sein

Am 12. Februar 2026 berichteten die SN, dass die Vorverkaufsverträge für Bauland in Beringen bereits unterschrieben wurden. Auch wurde im Artikel erwähnt, dass in der Baubewilligung für das sich im Bau befindliche Datencenter in Beringen steht, dass das Datencenter 10 Megawatt Wärmeleistung liefern muss. Doch das Abwärmepotenzial des Datencenters in Beringen beläuft sich bei voller Last auf 30 Megawatt.

«Dabei hätte das Gesetz gar nicht vorgesehen, dass die Menge der abzugebenden Menge beschränkt wird. Erst in der Baubewilligung taucht die Zahl 10 Megawatt auf – was Grünen-Kantonsrat Maurus Pfalzgraf zu einer Anfrage an den Regierungsrat veranlasst hat. Die ungeklärte Frage ist: Woher kommt diese Zahl, die nun die Abwärmenutzung gefährdet?», so die SN.

«Diese Menge an Abwärme macht es schwierig, ein Wärmenetz von Beringen aus nach Schaffhausen zu bauen und dieses wirtschaftlich zu betreiben. Zu diesem Schluss kommen Ingenieure von Energie 360°, dem Zürcher Energie- und Mobilitätsunternehmen. Laut ihren Berechnungen rentiert sich ein Wärmenetz vom Beringer Datencenter aus lediglich, wenn eine Abwärmeleistung von etwa 20 Megawatt gegeben ist.»

Andreas Uhr, Leiter Verkauf Gemeindetransformationen, erklärt es so: «Damit ein Wärmeverbund in der Stadt mit der Wärme des Datencenters rentabel ist, brauchen wir einen Absatz von 110 bis 120 Gigawattstunden pro Jahr. Um diesen Wert zu erreichen, braucht es aber eine Auskopplung von 20 Megawatt.» Das heisst: Ein Wärmeverbund ist mit der zur Verfügung stehenden Abwärme gar nicht rentabel realisierbar – oder würde für die Endkonsumenten hohe Energiepreise bedeuten.

«Ein zweites Datencenter hätte zur Folge, dass aus Beringen mehr Abwärme kommen würde. Zusammengezählt hätten die beiden Datencenter eine ausreichend hohe Abwärmeleistung, um die Leitung über den Galgenbuck nach Schaffhausen wirtschaftlich bauen zu können.»

Warum äussert sich Pro Wind Schaffhausen zum Thema Datencenter?

Kommentar von Reto Hunziker, Pro Wind Schaffhausen

Man muss nicht nur die Angebotsseite (Produktion) sondern auch die Nachfrageseite (Verbrauch) im Auge behalten. Die Dekarbonisierung wird zu einem Anstieg des Stromverbrauchs führen, da fossile Verbraucher durch effiziente und CO2-freie Technologien ersetzt werden. Das Ziel ist Netto Null CO2-Emissionen bis 2050. Ein weiterer Treiber, der zu einem Anstieg des Stromverbrauchs führen wird, ist die Digitalisierung. Insbesondere Datencenter haben einen sehr hohen Stromverbrauch und sollten deshalb zwingend an Standorten errichtet werden, welche eine maximale Abwärmenutzung ermöglichen.

Je höher der Stromverbrauch ist, desto schwieriger wird es, diesen allein mit erneuerbaren Energien zu decken. Deshalb sind für Pro Wind Schaffhausen auch Energieeffizienz und Suffizienz wichtige Anliegen.

Im Rahmen der Abstimmung zum Energiegesetz im Mai 2025 war das Datencenter Beringen ein wichtiges Thema. Pro Wind Schaffhausen hat sich zusammen mit anderen Organisationen für ein Ja zur Vorlage eingesetzt. Das Gesetz wurde mit einem Ja-Anteil von 60 % von den Schaffhauser Stimmberechtigten angenommen. Auch viele Gegner der Vorlage begrüssen die neue Regelung, dass grosse Abwärmeproduzenten wie z.B. Datencenter die Abwärme Dritten zur Verfügung stellen müssen, falls sie diese nicht selbst nutzen können.

Der Ausbau der Windenergie wird teilweise gegen den Bau von Datencentern ausgespielt mit dem Argument, dass unsere schöne Landschaft auf dem Randen nicht für den Stromverbrauch von Datencentern «geopfert» werden soll. Ein populistisches Argument, das aber bei vielen verfängt. Dabei wird mit einem Nein zu Windenergieanlagen auf dem Randen ein weiteres Datencenter in Beringen nicht verhindert. Grosserbraucher kaufen den Strom dort ein, wo es für sie am vorteilhaftesten ist. Sie sind auch an keine Landesgrenzen gebunden.

Trotz allem wird es schwieriger, die Leute vom notwendigen Bau von Windenergieanlagen zu überzeugen, wenn der Stromverbrauch wegen Datencentern sprunghalt ansteigen wird.

Das am 1. Januar 2026 in Kraft getretene neue Energiegesetz schreibt vor, dass grosse Abwärmeproduzenten dazu verpflichtet werden, die Abwärme Dritten zur Verfügung zu stellen. Dieses Gesetz ist nicht ausreichend, um die Platzierung von neuen Datencentern besser steuern zu können. Wie die SN am 26. November 2025 zu Recht schrieb, ist es gar nicht so einfach, dass die Wärme aus Beringen an einen Ort kommt, an dem sie gebraucht werden kann.

Deshalb braucht es zusätzliche Instrumente. Analog zur Regelung bei der erneuerbaren Stromproduktion ab einer bestimmten Grösse («nationales Interesse» ab einer Produktion von 20 GWh) handelt es sich bei grossen Datencentern um Projekte von nationaler Bedeutung. Doch bis jetzt fehlt eine nationale Strategie bzw. eine nationale Koordination. Viele Datencenter werden leider nicht dort gebaut, wo die Abwärme optimal genutzt werden könnte. Bezogen auf den Kanton Schaffhausen heisst das: Zielführend wäre die Steuerung über den kantonalen Richtplan. Sprich: Im Richtplan sind für Rechenzentren geeignete Gebiete auszuscheiden, dies im Sinne einer Positivplanung. Nur so kann gewährleistet werden, dass es nicht wieder ein Déjà-vu gibt.

Zu sehen ist die Innenansicht eines Datencenters.

Rechenzentren machten im Jahr 2024 6 bis 7 Prozent (je nach Quelle) des gesamten Schweizer Stromverbrauchs aus. Der Anteil könnte – bei künftig landesweit konstantem Stromverbrauch – bis 2030 auf bis zu 15 Prozent anwachsen. Rechenzentren sind im Grunde genommen riesige Elektroheizungen: Fast die gesamte elektrische Energie, die von Rechenzentren verbraucht wird, wird als Abwärme freigesetzt. Der Anteil der nutzbaren Abwärme am Stromverbrauch beträgt 80 %. Deshalb ist eine optimale Standortwahl ein Muss.


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