Deutschland: Photovoltaik überholt 2025 Braunkohle und Erdgas bei der Stromerzeugung
Die Stromerzeugung aus Solaranlagen erreichte 2025 ein neues Rekordhoch. Ihr Anteil an der heimischen Stromerzeugung wuchs auf rund 18 Prozent. Die Photovoltaik überholte damit im vergangenen Jahr die Braunkohle (rd. 14 %) und das Erdgas (rd. 16 %) bei der heimischen Stromerzeugung. Nach der Windenergie (rd. 27 %) zählt Solarenergie damit zu den zwei wichtigsten Stromerzeugungsquellen in Deutschland. Die dort mittlerweile mehr als 5,5 Millionen installierten Photovoltaikanlagen erzeugten im vergangenen Jahr rund 87 Terawattstunden Strom (2024: 72 TWh). PV-Anlagen liefern inzwischen deutlich mehr Strom als noch vor wenigen Jahren – in Kombination mit stark zunehmender Windkraft verändern sie die Struktur des Stromsystems grundlegend.
Erstmals seit den 1950er-Jahren spielt Kohlestrom im Strommix nur noch eine Nebenrolle
Laut aktuellen Auswertungen liegt der Anteil von Braun- und Steinkohle am deutschen Strommix nur noch bei gut rund 22 Prozent – vor rund zwanzig Jahren war dieser Anteil etwa doppelt so hoch. In absoluten Zahlen wurden im letzten Jahr rund 106 Terawattstunden Strom aus Kohle erzeugt, der niedrigste Wert seit Mitte der 1950er-Jahre. Gleichzeitig erreichen erneuerbare Energien Rekordanteile: Über 60 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung stammen inzwischen aus Wind, Sonne, Biomasse und Wasser, der Strommix war noch nie so CO₂-arm wie heute.
Spannend ist auch, warum Kohle so stark verliert: Zum einen macht der Emissionshandel CO₂-intensive Kraftwerke schlicht teuer, zum anderen drängen günstiger werdende erneuerbare Energien Kohlekraftwerke zunehmend aus dem Markt. Dazu kommt, dass Kohlekraftwerke technisch träge sind und nicht gut zu einem System passen, das sich an schwankende Einspeisung aus Wind und Sonne anpassen muss. Stromspeicherlösungen werden, wasserstofffähige Gaskraftwerke sollen in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, um diese Lücke zu schliessen. Trotz aller positiven Zahlen bleibt Kohle aber noch der zweitwichtigste Energieträger, und der gesetzlich beschlossene Ausstieg ist spätestens für 2038 vorgesehen.
PV-Zubau auf Dächern ging zurück
Zwischen den einzelnen Photovoltaik-Marktsegmenten zeigten sich 2025 deutliche Entwicklungsunterschiede: Während die neu installierte PV-Leistung ebenerdig errichteter Solarparks um etwa 25 Prozent zulegte, ging der PV-Zubau auf Eigenheimen und Gewerbedächern mit rund 25 Prozent beziehungsweise fünf Prozent 2025 deutlich zurück. Die neu installierte Leistung kleiner Steckersolargeräte (sogenannte Balkonkraftwerke) nahm im gleichen Zeitraum um rund 25 Prozent zu.
Ausbau der Windenergie verfehlt die deutschen Ziele
Stärkster Nettostromerzeuger war die Windkraft, obwohl die Produktion aufgrund schlechterer Windverhältnisse mit 132 Terawattstunden (TWh) um 3,2 Prozent niedriger war als im Vorjahr. Der Anteil von Windenergie onshore betrug etwa 106 TWh, Windenergie offshore erzeugte etwa 26,1 TWh. Onshore wurden 4,5 Gigawatt (GW) neue Leistung zugebaut, offshore nur 0,29 GW. Damit bleibt der Ausbau der Windenergie deutlich unter den deutschen Ausbauzielen zurück: Ende 2025 war eine installierte Leistung von 76,5 GW vorgesehen, tatsächlich installiert sind nur 68,1 GW.
Stromerzeugung aus PV vor Kohle
Der starke Anstieg der Solarstromerzeugung ist ein EU-weiter Trend: 2025 lag die Stromerzeugung aus PV in den EU-Ländern mit 275 TWh erstmals über der Summe aus Braun- und Steinkohle (243 TWh). In zehn Jahren hat sich die Erzeugung aus Photovoltaik verdreifacht, die Kohlestromerzeugung ging dagegen um 60 Prozent zurück.
Quellen:
ee-news.ch; Harald M. Depta (LinkedIn)